a folyónál: Alke Stachler verse

am fluss

wo man hingeht um allein zu sein und in die schlieren sich zu schälen. die schlieren der gelben luft, des grases, das sich gegen die uferhaut hämmert in endlosen kämmbewegungen, sich selbst kauend, niemals müde. sich zu falten wie ein stein (und etwas sagt leg dich hinein). sich zu wickeln in den schlick als eine sich zaghaft verzweigende graue mumie. dreck atmen und dünnflügelige kleine tierchen. und oben den himmel weiß ins schilf schneiden sehen. blechgrüne spaten. im wasser kissen und seile und gabeln aus licht, die sich ins auge schleifen, dort brechen, kreiseln. verschnürter kenternder horizont.

*

ich habe ein boot gefaltet aus papier. ich habe das boot angefüllt und ins flusswasser gesetzt, an einer seichten stelle, wo enten im gezackten schatten saßen und uns lange musterten, mich und mein taubenweißes blütenblättchen von blasskariertem boot. es kippt sofort, ich weiß nicht, ob die fracht zu schwer ist oder nur falsch verteilt. sein bauch füllt sich mit schlierigem minzigem achatfarbenem flusswasser, mit stücken von wolken, dazwischen schwankenden zerschliffenen vögeln, die es sehr langsam durchtrennt, bevor es grau wird und sinkt.

© Petrus Akkordeon

Vorherige Teile unserer Reihe findet man hier (das Gedicht von Carla Hegerl), hier (das Romanfragment von Valentin Moritz), hier (die Gedichte von Mischa Mangel), hier (die Kurzprosa von Miku Sophie Kühmel) hier (das Gedicht von Martin Piekar), hier (das Gedicht von Jannis Poptrandov) und hier (die Kurzprosa von Saskia Trebing).

Alke STACHLER (*1984, Temeswar / Timișoara / Temesvár) lebt seit 1990 in Deutschland. Sie studierte Englische und Deutsche Literaturwissenschaften in Augsburg und Swansea/Wales. Seit ca. 2009 veröffentlicht sie Lyrik und kurze Prosastücke in Literaturzeitschriften und Anthologien. 2016 erschien der Gedichtband dünner ort, der in Kooperation mit der bildenden Künstlerin Sarah Oswald entstand. 2014 wurde sie von der Literaturstiftung Bayern für Gedichte zu Gemälden von Paul Klee ausgezeichnet, 2015 nahm sie am Literaturpreis Irseer Pegasus teil. Ihre Texte wurden bislang ins Rumänische übersetzt.

SZÉKELY Örs (*1992) nach einem MA-Studium in Budapest und einem Erasmus-Semester an der Humboldt-Universität zu Berlin kehrt er zurück nach Siebenbürgen um wieder aus Klausenburg/ Cluj-Napoca / Kolozsvár zu trampen.

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